Frau Marianne Vorwoold hat während des diesjährigen Bliedeparks auf der Großen Bleiche in Leer im Luthersaal am Patersgang 4 einen Flohmarkt aufgebaut. Durch eine offene Tür konnten Interessierte sich vom vielfältigen Angebot überzeugen, das liebevoll präsentiert wurde. Zahlreiche Besucher*innen des Parks haben auf dem Weg ein schönes Schnäppchen gemacht. 220 Euro Erlös konnte Marianne Vorwoold den Freund*innnen der Lutherkirche überreichen, die ausschließlich für die Finanzierung der III. Pfarrstelle der Lutherkirchengemeinde Leer bestimmt sind.
Die Idee wurde so gut angenommen, dass im kommenden Jahr zum Gallimarkt über ein erweitertes Angebot nachgedacht wird. Interessierte können sich beim Team der Freund*innen oder direkt bei Marianne Vorwoold melden.
Die Ev.-luth. Lutherkirchengemeinde in Leer lädt in Kooperation mit der Stiftung Lutherkirche Leer, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Leer (ACKL) und dem Verein Kriegsenkel e.V. ein zur Herbstakademie 2020. In der hochkarätig besetzten Reihe geht es 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs um die Auseinandersetzung mit dem familiären und persönlichen Erbe der Kriegs- und Nachkriegszeit.
ENTFÄLLT Ø Montag, 15.11.2021, 19.00 Uhr: Sabine Bode liest aus ihrem Buch „Kriegsenkel“
FINDET STATT Ø Mittwoch, 17.11.2021, 19.00 Uhr: „Der Krieg in mir“ Film des Filmemachers Sebastian Heinzel
FINDET STATT Ø Donnerstag, 25.11.2021, 19.00 Uhr: „Kriegskinder und Kriegsenkel – zwei, die es schwer miteinander haben.“ Vortrag von Michael Schneider, Hamburg 1. Vorsitzender des Kriegsenkel e.V.
Immer mehr Menschen der Jahrgänge 1960 bis 1975 entdecken sich als „Kriegsenkel“. Was das bedeutet, beleuchtet eine Veranstaltungsreihe der Herbstakademie an der Lutherkirche Leer. Mit dabei: die Autorin Sabine Bode. Ihr Buch zum Thema hat die Problematik dieser Kinder der Kriegskinder einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht.
„Als Friedenskinder sind sie in den Zeiten des Wohlstandes aufgewachsen. Es hat ihnen an nichts gefehlt. Oder doch? Die Generation der zwischen 1960 und 1975 Geborenen hat mehr Fragen als Antworten: Wieso haben viele das Gefühl, nicht genau zu wissen, wer sie sind und wohin sie wollen? Wo liegen die Ursachen für diese diffuse Angst vor der Zukunft? Weshalb bleiben so viele von ihnen kinderlos? Noch ist es für sie ein völlig neuer Gedanke, sich vorzustellen, ihre tief sitzende Verunsicherung könnte von den Eltern stammen, die ihre Kriegserlebnisse nicht verarbeitet haben. Ist es möglich, dass eine Zeit, die über 60 Jahre zurückliegt, so stark in ihre Leben als nachgeborene Kinder hineinwirkt?“
Mit diesen Worten beginnt das Buch „Kriegsenkel“ von Sabine Bode. Es erschien 2009 – und erlebt gerade seine 28. (!) Auflage. Der Gedanke, die Verunsicherung ihrer Generation könne von ihren Eltern stammen, ist immer mehr Angehörigen dieser Generation nicht mehr neu. Dafür spricht nicht nur der enorme Erfolg des Buches. Dafür sprechen auch volle Seminare des Vereins Kriegsenkel e.V., eine wachsende Zahl von Büchern, Filmen und Medienbeiträgen zum Thema. Nach einer längeren Anlaufzeit ist es in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Blitzschlag der Erkenntnis
Wobei die Entdeckung, ein „Kriegsenkel“ zu sein, viele Menschen zunächst wie ein Blitzschlag der Erkenntnis trifft. Natürlich haben sie gewusst, dass ihre Eltern während des Zweiten Weltkriegs Kinder waren, und sie erleben sich in derselben Zeitheimat wie all die anderen. Auch wenn es ihnen ein bisschen peinlich ist, können sie „99 Luftballons“ von Nena und „Mamma Mia“ von Abba auswendig mitsingen, aber dann stolpern sie in einem Buch, Film oder Medienbeitrag über dieses Kunstwort. „Kriegsenkel“. Und dort sehen sie auf einmal das ganze Bündel von Symptomen beschrieben, die sie nur zu gut aus ihrem eigenen Leben kennen: Bindungsprobleme mit Eltern und Kindern, innere Einsamkeit, rastlose Suche nach Sinn und Heimat, Ringen um Erfolg im Beruf. Sie beginnen zu verstehen, wie sich alte Glaubenssätze dysfunktional auswirken, wie sie bremsen und behindern und sich verdichten zu einem Leben wie „mit angezogener Handbremse“, wie Sabine Bode es plakativ nennt.
Dieser Blitzschlag der Erkenntnis bewirkt Erleichterung und Schock zugleich. Erleichterung, weil das drängende Gefühl, irgendwie falsch in dieser Welt zu sein, ein schwarzes Schaf, ein seltsamer Vogel, sich auflöst in dem Staunen, dass es offenbar Millionen Menschen genauso oder ähnlich geht. Dass es kein individuelles Versagen ist, sondern die Prägung einer Generation. In Seminaren oder bei Vorträgen erleben sie dann, wie die Gesichter ihrer Gegenüber in Wiedererkennen aufleuchten, wenn sie aus ihrer belasteten Kindheit und Jugend erzählen, von der Sehnsucht, endlich irgendwo anzukommen und den aktuellen Problemen mit den Eltern. Mitgefühl und Interesse statt Abwehr und Missbilligung – eine ungewohnte Erfahrung.
Bange Fragen zum Familienerbe
Aber die Entdeckung, ein Kriegsenkel zu sein, ist auch ein Schock. Zu lernen, wie geradezu determinierend die Geschichte der Großeltern und Eltern für das eigene Leben sein kann, widerspricht dem menschlichen Selbstkonzept als Subjekt, das sein Leben souverän nach eigenen Vorstellungen gestaltet. Dass der Zweite Weltkrieg, die Nazizeit, der Holocaust, dass Flucht und Vertreibung und die Verstrickung der Vorfahren darin im 21. Jahrhundert noch so wirkmächtig unser Dasein beeinflussen, ist bedrückend und schwer verständlich. Auch das Wissen, dass diese negativen Prägungen kommenden Generationen vererbt werden können, steht drohend im Raum. Die Forschungsergebnisse, die eine Weitergabe dieser Erfahrungen beweisen, sind für viele, die sich als Kriegsenkel entdeckt haben, schockierend. „Wenn wir das geerbt haben – was haben wir unseren Kindern vererbt?“ Es sind bange Fragen, die immer wieder gestellt werden.
Seminare als Resonanzraum
Seit einigen Jahren leite ich, der Autor dieser Zeilen, für den Verein Kriegsenkel e.V. Seminare mit dem Titel „Kriegsenkel – Annäherung an das Thema einer Generation“. Die Nachfrage wächst kontinuierlich, die allermeisten Seminare sind ausgebucht. Überhaupt bekommt das Thema immer mehr Publizität. Zu Vorträgen kommen hunderte Zuschauer. Jährlich gehen etwa 40.000 Anfragen beim Bundesarchiv und 30.000 beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ein, mit denen Nachfahren die Geschichte ihrer Soldaten- oder Nazi-Väter und Großväter aufzuklären versuchen. Der Blick in die Akten ist nicht selten schockierend – aber letztlich wirkt es doch entlastend, das Schweigen über diese Geheimnisse endlich gebrochen zu haben, die Schuld, die die Vorfahren auf sich geladen haben, endlich anzuschauen.
In Seminaren, Vorträgen und Tagungen erlebe ich es immer wieder: Es ist das persönliche Leid, das erkenntnisleitend wirkt. Ihm können die Kriegsenkel, im Unterschied zu moralischen oder juristischen Kategorien, nicht entkommen. Es liegt nicht in unserer Hand, es „jetzt mal gut sein zu lassen“, „einen Strich zu ziehen.“ Das weiterhin wachsende Interesse an der Aufklärung der Familiengeschichte spricht dafür, dass immer mehr Menschen das entdecken. Sie wollen diese Gefühlserbschaften, wie Sigmund Freud sie nannte, endlich verstehen und sich davon befreien.
In ihrem Buch „Kriegsenkel“ schreibt Sabine Bode: „Es gibt in Deutschland keine Familie, an der der Krieg und die NS-Zeit spurlos vorbeigegangen sind. Der größte Teil der Bevölkerung will das auf sich beruhen lassen. Man sagt: Wir wollen an die alten Familiengeschichten nicht mehr denken, und was damals in Deutschland geschah, ist uns ja nun hinreichend bekannt. (...) Mag sein. Was aber sicher fehlt, ist ein Verständnis für die Auswirkungen dieser Vergangenheit. Was bedeutet diese Erbschaft für unsere persönliche Identität, für unsere Familienidentität und letztlich auch für unsere gesellschaftliche Identität?“.
Wichtige Fragen, auf die es bei der Herbstakademie der Lutherkirchengemeinde Leer spannende Antworten geben wird.
Sven Rohde ist Coach und Autor in Hamburg. Er ist 2. Vorsitzender des Kriegsenkel e.V. und leitet Seminare zum Thema.
Veranstaltungen in der Ev.-luth. Lutherkirchengemeinde Leer
ENTFÄLLT Ø Montag, 15.11.2021, 19.00 Uhr: Sabine Bode liest aus ihrem Buch „Kriegsenkel“
FINDET STATT Ø Mittwoch, 17.11.2021, 19.00 Uhr: „Der Krieg in mir“. Film des Filmemachers Sebastian Heinzel
FINDET STATT Ø Donnerstag, 25.11.2021, 19.00 Uhr: „Kriegskinder und Kriegsenkel – zwei, die es schwer miteinander haben.“ Vortrag von Michael Schneider, 1. Vorsitzender des Kriegsenkel e.V.
Ø Anfang 2022 (noch ohne konkreten Termin): „Kriegsenkel – Annäherung an das Thema einer Generation“. Seminar mit Sven Rohde
Bei allen Veranstaltungen werden Listen ausliegen, auf denen Interessierte ihre Kontaktdaten hinterlassen können!
Begegnungsräume für einen gesellschaftlichen Dialog über Abschied und Sterben
öso. Leer. Am Sonnabend, den 30. Oktober 2021, eröffnet Regionalbischof Dr. Detlef Klahr gemeinsam mit dem Künstler Uwe Appold um 16 Uhr dessen Ausstellung „…noch bist du da“ in der Lutherkirche in Leer. Durch die Veranstaltung zur Eröffnung führt Stadtpastor Ralph Knöfler. Für die musikalische Gestaltung sorgt Uwe Heger mit dem GoldsaxEnsemble.
„Der Dialog, in den der Künstler in seinen Gemälden mit ausgesuchten Gedichten eingetreten ist, eröffnet auch uns Begegnungsräume für einen gesellschaftlichen Dialog über Abschied und Sterben“, sagt Regionalbischof Klahr. „Ich freue mich sehr, dass die Bilder bis zum 1. Advent in Leer zu sehen sind. Damit ermöglichen sie gerade in der dunklen Jahreszeit mit den Sonntagen Volkstrauertag und Totensonntag eine besondere Form der Auseinandersetzung mit dem Thema der Vergänglichkeit des Menschen“, so Klahr.
Die Ausstellung handelt von dem Lebensthema Verlangsamung, Älter werden, Sterben und Abschied und ist benannt nach einem Gedicht von Rose Ausländer. Jedes Bild wird mit dem dazugehörigen Gedicht gezeigt. Fündig wurde der Flensburger Maler unter anderem bei Walther von der Vogelweide, Erich Fried, Friederike Mayröcker oder Rose Ausländer.
Ursprünglich rührte der Bilderzyklus aus der persönlichen Beschäftigung des 79-Jährigen mit dem Thema Tod her. Die Anfang dieses Jahres fertiggestellten 20 Bilder bekamen durch die Corona-Krise nun unerwartete Aktualität. „Ich möchte mit der Ausstellung jedoch nicht Corona illustrieren“, stellt der Künstler klar.
„Die Konfrontation mit der Endlichkeit unseres Lebens ist durch die Corona-Pandemie noch einmal verstärkt worden“, sagt die Initiatorin der Ausstellung, Dr. Katharina Rogge-Balke vom Haus kirchlicher Dienste in Hannover.
Die Ausstellung ist zugleich ein Gesprächsangebot. Begleitende Workshops und Veranstaltungen schaffen Begegnungsräume, in denen Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Glaubensrichtungen ins Gespräch kommen können.
Die Wander-Ausstellung „… noch bist du da“ ist in allen sechs Sprengeln der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers zu sehen: In Hannover, Leer, im nächsten Jahr in Buxtehude, Celle, Osnabrück und Hildesheim. Sie wird gefördert von der Hanns-Lilje-Stiftung, der Klosterkammer Hannover und dem Versicherer im Raum der Kirchen.
Das Begleitprogramm zur Ausstellung wird vom Künstler und Referenten aus der Landeskirche Hannovers gestaltet und durch Veranstaltungen der diesjährigen Herbstakademie der Stiftung Lutherkirche Leer ergänzt:
Sonnabend, 30.10.2021, 16.00 Uhr: Vernissage mit Regionalbischof Dr. Detlef Klahr und Stadtpastor Ralph Knöfler. Musik: GoldsaxEnsemble Uwe Heger
Sonntag, 31.10.2021, 10.00 Uhr: Gottesdienst der Stadtkirchengemeinden zum Reformationstag in Leer, Stadtpastor Ralph Knöfler. Orgel: Kirchenmusikdirektor Joachim Gehrold
Donnerstag, 4.11.2021, 16.00 Uhr - 19.00 Uhr: „Was ich mir wünsche…“
Hoffnungen und Vorstellungen zu Papier bringen. Eine Schreibwerkstatt der besonderen Art mit Dr. Katharina Rogge-Balke (Haus kirchlicher Dienste Hannover) und Harald Schilbock, Kirchenkreise Celle und Soltau
Der Workshop kann dazu anregen, über das Testament hinaus einen guten Weg zu finden, das eigene Haus zu bestellen. Inspiriert durch die Bilder und Texte der Ausstellung „… noch bist du da“ gelingt es mit Hilfe eines Wunschbriefes, zu sagen, was einem wichtig ist für die letzte Lebensphase. Wie will ich wohnen? Was ist mir wichtig? Möchte ich mich mit jemandem aussprechen?
Auch nach dem Tod wirkt ein Leben weiter. Es lohnt sich, sich beizeiten darüber Gedanken zu machen.
„Erzähl mir deine Geschichte“. Ein generationsübergreifender Mal-Workshop mit Uwe Appold
Die Teilnahme ist ohne malerischen Grundkenntnisse möglich. Ziel ist es, eigene Stärken und die anderer im gemeinsamen Handeln zu entdecken und auszuprobieren. Alle Teilnehmenden erhalten zu Beginn eine Einführung in einfache Gestaltungsregeln. Gemalt wird mit Acrylfarben auf Leinwand. Die fertigen Bilder werden im Dialog mit Uwe Appolds Werken präsentiert. Alle Mitwirkenden bringen für ihre Arbeit eine Handvoll Erde ihrer Wahl mit. Es empfiehlt sich, alte Bekleidung anzuziehen. Materialien werden gestellt.
Sonntag, 14.11.2021, 10.00 Uhr: Gottesdienst am Volkstrauertag mit Regionalbischof Dr. Detlef Klahr unter Mitwirkung des Lutherchores
Montag, 15.11.2021, 19.00 Uhr: Kriegsenkel. Lesung mit Sabine Bode
Die Kriegsvergangenheit zeigt auch heute noch in vielen Familien Spuren, bis in die zweite und dritte Generation hinein. Jetzt meldet sich die Generation der Kinder der Kriegskinder zu Wort. Sie sind in den Zeiten des Wohlstands aufgewachsen. Noch ist es ein völlig neuer Gedanke, sich vorzustellen, ihre tief sitzende Verunsicherung könnte von den Eltern stammen, die ihre Kriegserlebnisse nicht verarbeitet haben. Ist es möglich, dass eine Zeit, die über 80 Jahre zurückliegt, so stark in ihr Leben als nachgeborene Kinder hineinwirkt? Sabine Bode lebt als freie Journalistin in Köln, schreibt Sachbücher und arbeitet für die Kulturredaktionen des Hörfunks von WDR und NDR. Ihr Buch „Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation“ liegt mittlerweile in der 27. Auflage vor.
Mittwoch, 17.11.2021, 19.00 Uhr: „Der Krieg in mir“. Ein Film von Sebastian Heinzel
Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass extreme Stresserfahrungen genetisch weitervererbt werden können. Sebastian Heinzel untersucht die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf seine Familie und folgt den Spuren seines Großvaters, der als Wehrmachtssoldat in Weißrussland war. Dabei entdeckt er erstaunliche Verbindungen zu seiner eigenen Geschichte und den Kriegsträumen, die ihn seit Jahren verfolgen. Sebastian Heinzel lebt als freier Autor und Filmemacher im Schwarzwald und arbeitet als Dozent an Hochschulen im In- und Ausland. Im Anschluss an die Vorführung steht der Regisseur zum Gespräch zur Verfügung.
Freitag, 19.11.2021, 16.00 Uhr - 19.00 Uhr: Ein Workshop zum Thema Abschiednehmen
Impulse für die, die gehen, und die, die bleiben mit Pastorin Anita Christians-Albrecht (Altenseelsorge, Zentrum für Seelsorge Hannover) und Pastorin Inken Richter-Rethwisch (Besuchsdienst, Haus kirchlicher Dienste Hannover)
In den Bildern von Uwe Appold und in dem Gedicht von Rose Ausländer „…noch bist du da“ finden sich berührende Aspekte, die bei Abschied und Trauer eine wesentliche Rolle spielen. In diesem Workshop möchten wir darüber in einen Austausch kommen und genauer darauf schauen, was wirklich hilft: denen, die gehen und denen, die bleiben. Ein Blick in die Ausstellung, Biographisches zu der Lyrikerin Rose Ausländer, Abschiednehmen im Wandel der Zeit und vor allem zwei Aspekte des Gedichts sollen diesen Austausch bereichern. Dabei dürfen auch eigene Erfahrungen zum Abschiednehmen zur Sprache kommen.
Sonntag, 21.11.2021, 10.00 Uhr: Gottesdienst am Ewigkeitssonntag mit Verlesen der verstorbenen Gemeindeglieder, Pastor Christoph Herbold mit Jugendlichen
Donnerstag, 25.11.2021, 19.00 Uhr: „Kriegskinder und Kriegsenkel – Zwei, die es schwer miteinander hatten und doch aufeinander angewiesen bleiben“. Vortrag von Michael Schneider
Der Kriegsenkel e. V. entstand 2010 in der Akademie Sandkrughof in Schnakenbek/Elbe und ist deutschlandweit aktiv. Sein Ziel ist es, einem vergessenen Thema einen sichtbaren Platz im gesellschaftlichen Gespräch zu geben. Er ist Anlaufstelle für Betroffene und am Thema Interessierte, er bündelt Informationen. Der Vorstand engagiert sich rein ehrenamtlich für den gemeinnützigen Verein. Michael Schneider ist Gründer und Vorsitzender des Kriegsenkel-Vereins sowie Co-Autor des 2015 erschienenen Buchs „Nebelkinder“, in dem Kinder und Enkel von NS-Tätern, Vertriebenen, Soldaten der Wehrmacht und Überlebenden des alliierten Bombenkrieges zu Wort kommen. Der studierte Philosoph lebt in Hamburg.
Stadtpastor Ralph Knöfler begleitet die Ausstellung
Begegnungsräume für einen gesellschaftlichen Dialog über Abschied und Sterben
öso. Leer. Am Sonnabend, den 30. Oktober 2021, eröffnet Regionalbischof Dr. Detlef Klahr gemeinsam mit dem Künstler Uwe Appold um 16 Uhr dessen Ausstellung „…noch bist du da“ in der Lutherkirche in Leer. Durch die Veranstaltung zur Eröffnung führt Stadtpastor Ralph Knöfler. Für die musikalische Gestaltung sorgt Uwe Heger mit dem GoldsaxEnsemble.
„Der Dialog, in den der Künstler in seinen Gemälden mit ausgesuchten Gedichten eingetreten ist, eröffnet auch uns Begegnungsräume für einen gesellschaftlichen Dialog über Abschied und Sterben“, sagt Regionalbischof Klahr. „Ich freue mich sehr, dass die Bilder bis zum 1. Advent in Leer zu sehen sind. Damit ermöglichen sie gerade in der dunklen Jahreszeit mit den Sonntagen Volkstrauertag und Totensonntag eine besondere Form der Auseinandersetzung mit dem Thema der Vergänglichkeit des Menschen“, so Klahr.
Die Ausstellung handelt von dem Lebensthema Verlangsamung, Älter werden, Sterben und Abschied und ist benannt nach einem Gedicht von Rose Ausländer. Jedes Bild wird mit dem dazugehörigen Gedicht gezeigt. Fündig wurde der Flensburger Maler unter anderem bei Walther von der Vogelweide, Erich Fried, Friederike Mayröcker oder Rose Ausländer.
Ursprünglich rührte der Bilderzyklus aus der persönlichen Beschäftigung des 79-Jährigen mit dem Thema Tod her. Die Anfang dieses Jahres fertiggestellten 20 Bilder bekamen durch die Corona-Krise nun unerwartete Aktualität. „Ich möchte mit der Ausstellung jedoch nicht Corona illustrieren“, stellt der Künstler klar.
„Die Konfrontation mit der Endlichkeit unseres Lebens ist durch die Corona-Pandemie noch einmal verstärkt worden“, sagt die Initiatorin der Ausstellung, Dr. Katharina Rogge-Balke vom Haus kirchlicher Dienste in Hannover.
Die Ausstellung ist zugleich ein Gesprächsangebot. Begleitende Workshops und Veranstaltungen schaffen Begegnungsräume, in denen Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Glaubensrichtungen ins Gespräch kommen können.
Die Wander-Ausstellung „… noch bist du da“ ist in allen sechs Sprengeln der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers zu sehen: In Hannover, Leer, im nächsten Jahr in Buxtehude, Celle, Osnabrück und Hildesheim. Sie wird gefördert von der Hanns-Lilje-Stiftung, der Klosterkammer Hannover und dem Versicherer im Raum der Kirchen.
Das Begleitprogramm zur Ausstellung wird vom Künstler und Referenten aus der Landeskirche Hannovers gestaltet und durch Veranstaltungen der diesjährigen Herbstakademie der Stiftung Lutherkirche Leer ergänzt:
Sonnabend, 30.10.2021, 16.00 Uhr: Vernissage mit Regionalbischof Dr. Detlef Klahr und Stadtpastor Ralph Knöfler. Musik: GoldsaxEnsemble Uwe Heger
Sonntag, 31.10.2021, 10.00 Uhr: Gottesdienst der Stadtkirchengemeinden zum Reformationstag in Leer, Stadtpastor Ralph Knöfler. Orgel: Kirchenmusikdirektor Joachim Gehrold
Donnerstag, 4.11.2021, 16.00 Uhr - 19.00 Uhr: „Was ich mir wünsche…“
Hoffnungen und Vorstellungen zu Papier bringen. Eine Schreibwerkstatt der besonderen Art mit Dr. Katharina Rogge-Balke (Haus kirchlicher Dienste Hannover) und Harald Schilbock, Kirchenkreise Celle und Soltau
Der Workshop kann dazu anregen, über das Testament hinaus einen guten Weg zu finden, das eigene Haus zu bestellen. Inspiriert durch die Bilder und Texte der Ausstellung „… noch bist du da“ gelingt es mit Hilfe eines Wunschbriefes, zu sagen, was einem wichtig ist für die letzte Lebensphase. Wie will ich wohnen? Was ist mir wichtig? Möchte ich mich mit jemandem aussprechen?
Auch nach dem Tod wirkt ein Leben weiter. Es lohnt sich, sich beizeiten darüber Gedanken zu machen.
„Erzähl mir deine Geschichte“. Ein generationsübergreifender Mal-Workshop mit Uwe Appold
Die Teilnahme ist ohne malerischen Grundkenntnisse möglich. Ziel ist es, eigene Stärken und die anderer im gemeinsamen Handeln zu entdecken und auszuprobieren. Alle Teilnehmenden erhalten zu Beginn eine Einführung in einfache Gestaltungsregeln. Gemalt wird mit Acrylfarben auf Leinwand. Die fertigen Bilder werden im Dialog mit Uwe Appolds Werken präsentiert. Alle Mitwirkenden bringen für ihre Arbeit eine Handvoll Erde ihrer Wahl mit. Es empfiehlt sich, alte Bekleidung anzuziehen. Materialien werden gestellt.
Sonntag, 14.11.2021, 10.00 Uhr: Gottesdienst am Volkstrauertag mit Regionalbischof Dr. Detlef Klahr unter Mitwirkung des Lutherchores
Montag, 15.11.2021, 19.00 Uhr: Kriegsenkel. Lesung mit Sabine Bode
Die Kriegsvergangenheit zeigt auch heute noch in vielen Familien Spuren, bis in die zweite und dritte Generation hinein. Jetzt meldet sich die Generation der Kinder der Kriegskinder zu Wort. Sie sind in den Zeiten des Wohlstands aufgewachsen. Noch ist es ein völlig neuer Gedanke, sich vorzustellen, ihre tief sitzende Verunsicherung könnte von den Eltern stammen, die ihre Kriegserlebnisse nicht verarbeitet haben. Ist es möglich, dass eine Zeit, die über 80 Jahre zurückliegt, so stark in ihr Leben als nachgeborene Kinder hineinwirkt? Sabine Bode lebt als freie Journalistin in Köln, schreibt Sachbücher und arbeitet für die Kulturredaktionen des Hörfunks von WDR und NDR. Ihr Buch „Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation“ liegt mittlerweile in der 27. Auflage vor.
Mittwoch, 17.11.2021, 19.00 Uhr: „Der Krieg in mir“. Ein Film von Sebastian Heinzel
Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass extreme Stresserfahrungen genetisch weitervererbt werden können. Sebastian Heinzel untersucht die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf seine Familie und folgt den Spuren seines Großvaters, der als Wehrmachtssoldat in Weißrussland war. Dabei entdeckt er erstaunliche Verbindungen zu seiner eigenen Geschichte und den Kriegsträumen, die ihn seit Jahren verfolgen. Sebastian Heinzel lebt als freier Autor und Filmemacher im Schwarzwald und arbeitet als Dozent an Hochschulen im In- und Ausland. Im Anschluss an die Vorführung steht der Regisseur zum Gespräch zur Verfügung.
Freitag, 19.11.2021, 16.00 Uhr - 19.00 Uhr: Ein Workshop zum Thema Abschiednehmen
Impulse für die, die gehen, und die, die bleiben mit Pastorin Anita Christians-Albrecht (Altenseelsorge, Zentrum für Seelsorge Hannover) und Pastorin Inken Richter-Rethwisch (Besuchsdienst, Haus kirchlicher Dienste Hannover)
In den Bildern von Uwe Appold und in dem Gedicht von Rose Ausländer „…noch bist du da“ finden sich berührende Aspekte, die bei Abschied und Trauer eine wesentliche Rolle spielen. In diesem Workshop möchten wir darüber in einen Austausch kommen und genauer darauf schauen, was wirklich hilft: denen, die gehen und denen, die bleiben. Ein Blick in die Ausstellung, Biographisches zu der Lyrikerin Rose Ausländer, Abschiednehmen im Wandel der Zeit und vor allem zwei Aspekte des Gedichts sollen diesen Austausch bereichern. Dabei dürfen auch eigene Erfahrungen zum Abschiednehmen zur Sprache kommen.
Sonntag, 21.11.2021, 10.00 Uhr: Gottesdienst am Ewigkeitssonntag mit Verlesen der verstorbenen Gemeindeglieder, Pastor Christoph Herbold mit Jugendlichen
Donnerstag, 25.11.2021, 19.00 Uhr: „Kriegskinder und Kriegsenkel – Zwei, die es schwer miteinander hatten und doch aufeinander angewiesen bleiben“. Vortrag von Michael Schneider
Der Kriegsenkel e. V. entstand 2010 in der Akademie Sandkrughof in Schnakenbek/Elbe und ist deutschlandweit aktiv. Sein Ziel ist es, einem vergessenen Thema einen sichtbaren Platz im gesellschaftlichen Gespräch zu geben. Er ist Anlaufstelle für Betroffene und am Thema Interessierte, er bündelt Informationen. Der Vorstand engagiert sich rein ehrenamtlich für den gemeinnützigen Verein. Michael Schneider ist Gründer und Vorsitzender des Kriegsenkel-Vereins sowie Co-Autor des 2015 erschienenen Buchs „Nebelkinder“, in dem Kinder und Enkel von NS-Tätern, Vertriebenen, Soldaten der Wehrmacht und Überlebenden des alliierten Bombenkrieges zu Wort kommen. Der studierte Philosoph lebt in Hamburg.
warum auch immer … manchmal von heute auf morgen, von jetzt auf gleich: Ich kann nicht mehr!
Wo finde ich neue Kraft-Quellen? Eine Kraft, die durchhält? Vielleicht bieten die kommenden herbstlichen Tage ab und an Gelegenheit, darüber nachzudenken: Was gibt mir wirklich Kraft zum Leben? Was stillt meinen Hunger? Auch meinen Hunger nach Leben?
Der Prophet Elia hat in einer solchen „Wüsten“-Situation in großer persönlicher Not eine not-wendende Erfahrung gemacht. Er erlebt eine Art „Erste Hilfe“ für Leib und Seele. Ganz einfach und elementar. Ohne Spektakel und „Brimborium“.
1.Könige 19 erzählt: Da kommt ganz einfach ein „Engel“ - ein Bote von GOTT (in Gottes Auftrag) - zu ihm. Der Engel gibt ihm, was er in diesem Moment braucht. „Geröstetes“ Brot und einen Krug mit frischem Wasser stellt er ihm hin. „Brot und Wasser“ – erst einmal nicht mehr als eine Überlebens-Ration. Alles andere wäre zu viel – nur das! Und darin: Nahekommen, Berührung, Kontaktaufnahme. Das heißt: Du bist nicht allein! Ohne viele Worte – erst recht keine Vorhaltungen – dafür Grund-Nahrungsmittel.
Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. „Seelsorge“ ist oft genug auch „Leibsorge“: Fürsorglich, wohltuend, beiläufig, unspektakulär, alltäglich. Nicht der überbordende, gefüllte Tisch ist immer hilfreich, sondern oft genug einfach das Lebensnotwendige, die einfachen Lebens-Mittel „Brot und Wasser“.
Elia greift zu, isst vom Brot – trinkt vom Wasser – schmeckt und spürt: Da ist eine(r) da! Da sieht mich eine(r) an! Da kümmert sich eine(r) um mich! Da hält es eine(r) bei mir aus! Ein weiteres Mal lädt der Engel zum Lebensnotwendigem ein. Wieder isst und trinkt Elia. So weckt der Engel im Auftrage Gottes die Lebensgeister: Neue Nahrung! Neue Hoffnung! Neue Kraft für die Zukunft! Dann kann Elia sich neu auf den Weg machen, der ihm gewiesen wird.
Elia erlebt auf diese Weise elementar, „dass GOTT mit ihm is(s)t“. Er erlebt die tiefe Wahrheit des Psalmwortes: „DU gibst ihnen (Mensch und Tier) Nahrung zur richtigen Zeit“ (Ps 104, 27).
Ich wünsche Ihnen dann, wenn Sie ihn brauchen, einen solchen „Engel“, wie er zu Elia trat. Jemanden, der oder die Sie auf Gottes alltägliche und kleine, aber so lebenswichtige Hilfestellungen hinweist. Der Sie spüren lässt, dass „ER mit ihnen is(s)t“! So gestärkt, können wir dann selbst zu Boten Gottes werden … und unser „Brot“ mit anderen teilen und von dem klaren „Wasser“ abgeben, das wir (noch) haben.Ich glaube, dass auch darum die Bibel (an dieser Stelle) über das Aussehen des „Engels“ schweigt; denn jede und jeder kann es sein!
Ein „Engel“ ist die Person, die genau das tut, was ein Mensch wie Elia in dem einen, konkreten Moment braucht: Der und dem Nächsten ein Gegenüber!Einander und füreinander wie „Engel“ sein … einfach da sein für Andere! … und vielleicht erst einmal die Grund-Lebens-Mittel „Brot und Wasser“ reichen … das wäre ein guter Anfang!
Bleiben Sie auch in diesen kommenden Monaten behütet und gesegnet!
Ihr
Stadtpastor Ralph Knöfler, der neue Pastor an der Lutherkirche
Gemeindebrief: Willkommen als neuer Pastor an der Lutherkirche! Was reizt Sie, wenn Sie zu uns nach Leer kommen?
Ralph Knöfler: Ich bin begeistert von den neuen Möglichkeiten und Aufgaben. Da ist ganz viel Freiraum. Mich reizt die klassische Gemeindearbeit mit dem Akzent: „Was in die Stadt ausstrahlt.“ Manches wie die „Kulturnacht Kirche“ oder die „Passionspunkte – Andachten an wunden Punkten der Stadt Leer“ werde ich im Team fortführen. Anderes möchte im Gespräch neu entwickeln. Mein Interesse gilt den Vernetzungen in die Stadtgesellschaft und den Menschen, die von Gemeinde (bisher) nicht erreicht wurden. Die Arbeit von Gemeindehelferin Thekla Behrends „Alleinerziehend, aber nicht allein“ finde ich sehr spannend und weiterführend. Und dann geht es auch darum, die wunderschöne Lutherkirche für noch mehr Menschen zu einem wichtigen Ort der Stadt zu machen, einen heilsamen Ort. Mit Stille und Begegnung, Anstoß und Stärkung.
GB Welche Gefühle haben Sie empfunden als Sie einstimmig von der Gemeinde gewählt wurden?
RK Mir begegnet hier so viel herzliche Freundlichkeit. Ich bin willkommen und an diesem Ort richtig. Das spüre ich. Und Manches lässt sich einfach nicht in Worte fassen. Die Erfahrungen des Wahltages zählen dazu.
GB: Und fällt Ihnen der Wechsel von Potsdam nach Leer schwer?
RK: Ich glaube nicht an Zufall. Schon beim ersten Lesen der Stellen-Ausschreibung „brannte mein Herz“. Ein Konzept, dessen maßgebliches Kriterium „Gestaltungsfreiheit“ ist – was für eine Einladung! Ich war sofort - und bin immer noch – angesprochen, ja, „Feuer und Flamme“ für diese Aufgabe im schönen Leer, im reizvollen Ostfriesland – beide mir durch mehrere Besuche und Aufenthalte bekannt. Ich bin begeistert von so vielen, engagierten Menschen, Personen, Persönlichkeiten, Initiativen, die diesen Aufbruch (nicht nur finanziell) fördern und zum Gelingen beitragen wollen. Da scheint mir ein segensreicher Geist zu wirken, dessen Ausstrahlung mich sogar in Potsdam erreicht. Er lässt mich mit Vertrauen und Freude aufbrechen.
GB Dürfen die Leser*innen des Gemeindebriefes auch Privates erfahren?
RK Ja, ich komme doch mit meiner Geschichte zu Ihnen. Ich bin 1959 im Kreis Recklinghausen im Ruhrgebiet geboren, Vater dreier Kinder, begeisterter Großvater von vier Enkelkindern, geschieden. Meine Lebensgefährtin Ina ist Erzieherin. Wir sind schon mehrmals im Rheiderland Fahrrad gefahren und freuen uns auf den Neuanfang in Leer / Ostfriesland. Meine besonderen Gaben sind eine schnelle Auffassungsgabe und Einfühlungsvermögen. Ich bin ein origineller Ideengeber, dem immer etwas einfällt. Ich verbinde sinnvoll Menschen, Dinge, Situationen – auch, was auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammen zu gehören scheint. Dabei bin ich wortgewandt, nachdenklich, besonnen, kraftvoll und mutig. Und ich habe Steh- und Durchhaltevermögen. Bildung jeder Art liegt mir am Herzen, Kultur in jeder Form – und Gottesdienste feiern. Mein Interesse an Menschen und Kirche zeige ich auch gern als zertifizierter Gäste-, Stadt(Potsdam)- und Kirchenführer. Das war, ist, bleibt mir wichtig: BEGEGNUNG. Herausgehen. Auf Menschen zugehen, hinhören, fragen, mit ihnen sprechen, sie verstehen. Wenn nötig, mutig Grenzen überwinden. „Mit meinem GOTT kann ich über Mauern springen!“(Ps 18,30) Begegnungsorte finden innerhalb und gerade außerhalb kirchlicher Räume. Begegnungen mit dem Evangelium ermöglichen. Orientiert an JESUS: zugewandt, offen, vorurteils- und wertungsfrei – und mit (m)einem evangelischen Profil Das ist als Schulpfarrer mein „täglich Brot“: Neugierig auf Menschen, ihre Biographie wertschätzend, sehe ich mit dem Herzen jede und jeden in ihrer Einzigartigkeit, mit der GOTT sie gemacht und gemeint hat. Das ist für mich Voraussetzung, auf Menschen zugehen zu können, sie abzuholen, wo immer sie sich gerade auf ihrem Lebensweg befinden. So finde ich Kontakt. So bringe ich unterschiedliche Menschen miteinander in Kontakt.
GB Was wird Ihr erstes Projekt an der Lutherkirche sein?
RK Die Begleitung der Ausstellung „… Noch bis du da“ (s.S. xx) mit Bildern des Flensburger Malers Uwe Appold wird ein erstes größeres Projekt sein. Ich schätze die Gedichte und die Lebensgeschichte von Rose Ausländer, die zumindest ein Bild der Ausstellung und den Titel inspiriert hat. Ich freue mich auf das Gespräch von Kunst und Bibel, die Begegnung mit Menschen in der Lutherkirche. Und im Gottesdienst zum Reformationstag können wir gemeinsam Gottesdienst feiern. GB Herr Knöfler, wir danken Ihnen für dieses Gespräch, wünschen Ihnen alles Gute für die vor Ihnen liegende Zeit und freuen uns, Sie demnächst in Leer begrüßen zu dürfen!
Ralph Dieter Knöfler leitet am 11. Juli den Gottesdienst in der Lutherkirche und steht anschließend zur Wahl / Beeindruckt von besonderem Projekt Pfarrer Ralph Dieter Knöfler aus Potsdam wird sich am Sonntag, 11. Juli, in der Lutherkirche Leer der Wahl zum Stadtpastor stellen. Er leitet den um 15 Uhr beginnenden Gottesdienst und hält darin die Aufstellungspredigt. Anschließend haben die Wahlberechtigten der Gemeinde bis 17 Uhr die Gelegenheit, ihre Stimmen abzugeben.
Mit der Einrichtung der Stelle einer Stadtpastorin bzw. eines Stadtpastors zum 1. Oktober hatte sich die Lutherkirche vorgenommen, neue Wege zu gehen. Das geschieht in Kooperation mit den Nachbargemeinden Friedenskirche Loga, Petruskirche Loga, Pauluskirche Heisfelde und Matthäikirche Bingum. Neue Impulse für kirchliches Leben in der gesamten Stadt verbinden Pastor Christoph Herbold und Karl Fleßner als Vorsitzender des Kirchenvorstands damit. Zwei Bewerber hatte der Kirchenvorstand ausgewählt, von denen einer kurzfristig abgesagt habe, erklärte Herbold. So sei der Wahltag nach vorne gerückt. Begeisterung für das Projekt spricht aus den Zeilen von Pfarrer Knöfler in dessen Vorstellungstext: „Da will ich mitmachen mit allem, was ich kann“, schreibt er. Als Pfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen ist er freigestellt für den Dienst als Schulpfarrer an verschiedenen Schulen einer großen Diakonischen Stiftung in Brandenburg im Berliner Umland. „62 Jahre, im Herzen jung geblieben – an Erfahrungen reich geworden auf meinem Lebensweg vom Ruhrgebiet über Rheine, Münster bis Potsdam“, erklärt er. Dazu gehörten Gemeindepfarramt und Funktionspfarramt, Kirche und Diakonie, Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Behinderten und alten Menschen, Bildung und Religionspädagogik, Seelsorge, Beratung und Spiritualität, kreative Gottesdienste und kulturelle Veranstaltungen, Projekte und Stadt(teil)arbeit.
„Neues ausprobieren, meine eigenen Gaben, Farben, Fähigkeiten einbringen. Das ist die eine Seite. Die andere – gut lutherisch: Freiheit in der Rückbindung ans Evangelium. Freiheit in der Zusammenarbeit mit allen am Projekt Beteiligten“, beschreibt der Bewerber sein Engagement. Er wolle ein Pastor für die Stadt und ihre Menschen sein, ob alt, ob jung – auch für die, die mit „Kirche“ eher wenig Berührungspunkte haben.
Die Stelle wird vom landeskirchlichen Fonds Missionarische Chancen (FMC) anteilig mit Sach- und Personalkosten in Höhe von 116.750 Euro gefördert. Den Grundstein legte der Kirchenvorstand (KV) vor über einem Jahr: Der Kreis „Freundinnen und Freunde der Lutherkirche Leer“ entstand. Menschen unterstützen diesen, indem sie sich verpflichten, für den Projektzeitraum von fünf Jahren monatlich eine feste Summe zu zahlen. Außerdem sagte der Kirchenkreis 34.000 Euro für das Gesamtprojekt aus dem Mitarbeiterfonds zu.
Am Wahltag wird in der Zeit von 16 bis 17 Uhr eine Wahlurne in der Lutherkirche aufgestellt. Zur Teilnahme an der Wahl ist jedes Mitglied der Kirchengemeinde berechtigt, das am Wahltag das Recht zur Teilnahme an einer Wahl zum Kirchenvorstand besitzt. Die Wählerliste der Wahlberechtigten wird zur Einsichtnahme in der Zeit vom 30. Juni 2021 bis zum 7. Juli 2021 im Gemeindebüro für jedermann zugänglich ausgelegt. (Käte Dübbel)
Quelle: privat
Pfarrer Ralph Dieter Knöfler aus Potsdam möchte Stadtpastor in Leer werden.